Montag, 19. März 2012

Stichwort Kreditklemme – Finanzierung für den Mittelstand

Hartmut B. hat vor mehr als 40 Jahren den Betrieb seines Vaters übernommen und zu einem mittelständischen Unternehmen mit Standorten in fünf Ländern ausgebaut. Wenn er einen Kredit brauchte, um Investitionen zu finanzieren, war sein Weg zur Bank, und er kam mit einer Zusage zurück – besiegelt per Handschlag. Dann kam die Krise, die Gewinne brachen ein. Die Folge: Institute mit kleinem Obligo stellten fällig, andere verlangten neue Sicherheiten. Die Situation spitzte sich zu...

Marcello Nicoloso, ReManagement: „Banken bestreiten, dass die Kreditvergabe restriktiver geworden sei, aber die Stimmung und das Feedback im Mittelstand sind eine andere.“ Wenn die Unternehmen demnächst ihre Bilanzen vorlegen müssen, um von den Banken frisches Geld zu bekommen, schwinden die Chancen – selbst wenn Ratings gleich bleiben, wird die Latte höher gelegt. Dies ganz besonders, wenn Banken in bestimmten Risikosektoren ihr Kreditengagement zurückfahren.

Je kleiner ein Unternehmen, desto realer ist die Kreditklemme.
Viele Unternehmer suchen Rat bei Steuerberatern, Rechtsanwälten oder auf dem großen und unübersichtlichen Beratermarkt. Das Um und Auf ist, dass man die Abläufe und Strukturen einer Bank kennt, die Denkweise und Entscheidungswege analysieren kann und eine realistische Vorgehensweise festlegt. Auch müssen die internen Risiken nüchtern und offen bewertet werden, hat das Unternehmen alle Potentiale ausgeschöpft? Sei das durch Optimierung des Working Capital oder auch durch ein professionelles Screening der Fördermöglichkeiten. „Oft sind die Möglichkeiten im Working Capital, im Speziellen der Bereich Lagerwirtschaft / Halbfabrikate / Produktionszyklen nicht voll ausgeschöpft. Wer hier ein Zeichen setzt, zeigt auch der Bank gegenüber, dass aktiv an dem Problem gearbeitet wird. Damit sind die Gespräche mit den Bankern wesentlich offener und gezielter. Zudem lernt man die eigenen Abläufe besser kennen,“ meint Nicoloso.  

Je kleiner ein Unternehmen, desto realer ist die Kreditklemme. Durch Basel III hat sich zuletzt die Situation weiter verschärft. Für große Konzerne ist es nur tendenziell spürbar. Die Banken wollen mehr Sicherheiten, sie verlangen höhere Zinsen oder laufend Informationen über neue Produkte, geplante Projekte oder allgemeine Prozesse im Unternehmen. Diese Anforderungen gilt es zu bewerkstelligen. Ein gutes und zeitnahes Reporting ist ein Muss und verbessert auch das Rating!

Konzept und keine Emotionen
Nicoloso: „Wer wann warum mit wem Stress gehabt hat? – das interessiert nicht. Emotionen sollten möglichst aus dem Spiel bleiben.“ Am Ende gehe es um Umsatz, operatives Ergebnis, Verschuldung, Zinslast und um das eine Ziel: die Finanzierung sicher zu stellen.

Erfolg verspricht nur ein schlüssiges Konzept für die Unternehmensfinanzierung! Nicht zu viel Papier, auf das Wesentliche reduziert. Ein Berater wird da oft auch zum Mediator zwischen Bank und Unternehmer. Er weiß, dass eine Bank manchmal die Ansprechpartner wechselt, das ist nachvollziehbar, wenn durch gesunkene Ratings neue Ansprechpartner kommen. Hier kann sehr schnell sehr viel Porzellan zerschlagen werden.

Eiserne Regel: Versprechen gegenüber der Bank dürfen nie gebrochen werden!
Wer dagegen verstößt, hat oft schon den entscheidenden Fehler begangen. Der typische Banker im Kreditgeschäft ist sehr strukturiert. Wenn Fristen verstreichen, gibt es Ärger. Nicht viel besser ist es, wenn Unternehmer ihr Konto ohne Absprache überziehen. Der Banker muss beim eigenen Chef vorsprechen. Das führt nicht gerade dazu, dass er sich für künftig den Kunden übermäßig einsetzt. Manchmal wüssten es die Unternehmer nicht besser, manchmal seien sie aber auch Opfer schlechter Beratung. 



Was sind die Bonitätsmerkmale eines Bankenratings
§  Bilanz ( Bonitätsindikator aus Kennziffern) inkl kreditwirtschaftlicher Berichtigungen  bzw. Verschuldungsgrad
§  Finanzkennzahlen werden aus Daten der
 letzten 3-5 Jahre berechnet
§   wirtschaftliche Lage wird anhand dieser
 Kennzahlen zusammengefasst und durch
 einen Scorewert ausgedrückt
Finanzielle Stabilität:
§  EK-Quote (EK/Bilanzsumme)
§  Schuldentilgungsdauer (FK/Cash-Flow)

Ertragskraft:
§  Gesamtkapitalrentabilität (EGT/Bilanzsumme)
§  Cash-Flow-Rate (Cash-Flow in % der Betriebsleistung)
§   bei der Kennzahlenbewertung spielen u.a.
 auch wieder die Größe des Unternehmens
 und die Branche eine Rolle
§  Kontoverhalten  - negative Faktoren
§  Girokonto:   
junges Konto
hohe Anzahl von Überziehungstagen
großer Sollstand
hohe Limitnutzung
§  Einmalkredit:          
Überziehungen
Ratenstundung
Ratenreduktion mit Laufzeitverlängerung
§  Leasing:
Ratenrückstände
§  Bonitätsbeeinflussende Risikofaktoren (Softfacts)
§  Schwaches Management
§  Mangelhafte Information
§  Mangelhaftes Rechnungswesen/Controlling
§  Nachfolgeprobleme
§  Hoher Investitionsbedarf
§  Abhängigkeit von Lieferanten/Kunden
§  Wettbewerbs- und Marktbeurteilung
§  Externe Informationen ( Kreditschutzverband, Konsumentenkreditevidenz )
§  Kreditfähigkeit  (Ausnahme Pauschalierte )


Die Gewichtung schwankt je nach Bank, aber grob kann man hard zu soft facts auf 70/30 aufteilen.


Fazit:
Das Thema Finanzierung und Bankenkredite muss einen hohen Stellenwert intern besitzen. Unternehmer und Firmenlenker müssen sich überdies genau vorbereiten, aktiv die Beziehung managen und pflegen und transparent bleiben. Die Bank bewertet jeden Schritt und sieht das Unternehmen oft realistischer als der Eigentümer (Stichwort Betriebsblindheit), weil es sich nüchtern auf Zahlen, Daten und Fakten verlässt. Sollte ein Unternehmer darauf nicht vorbereitet sein, ist eine externe Hilfe sicher zielführend. Denn ist die Beziehung einmal in Schieflage, wird es schwierig diese wieder zu korrigieren.



In der Krise steht oft das gesamte Vermögen der Eigentümer auf dem Spiel, es gilt das Lebenswerk zu retten. In solchen Fällen helfen keine Ratschläge und auf Hochglanzpapier gedruckte Konzepte – sondern Taten und Ergebnisse. Kluge Eigentümer und vorausschauende Manager haben dies erkannt. Es geht um Performance im gesamten Unternehmen, erkennbar an exzellenten Bilanzen – die ein Topunternehmen vom Mitbewerb unterscheiden.
ReManagement bietet Services für Krisenunternehmen bzw. Unternehmensbereiche mit geringer Performance. In über 10 Jahren Erfahrung haben unsere Mitarbeiter das Vertrauen unserer Kunden erarbeitet, indem wir jedem Problem höchste Aufmerksamkeit geben. Faktenorientiert Lösungen aufzeigen, verbindlich Handeln und ein integerer Führungsstil zeichnen uns aus. Wir glauben an partnerschaftliche Umsetzung und Qualität in unserem Handeln, sowie echte Freude an der Arbeit. Dies ist der Schlüssel für den gemeinsamen Erfolg.
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